Der Milchpilz als Werbegag

Die Hermann Waldner KG, Erzeuger von Molkereigeräten, hatte in den 50er Jahren die Idee einen Kiosk in Form eines Fliegenpilzes als „Milchverbrauchswerber“ herzustellen. Die Idee kam gerade recht, denn immer mehr Milchbars und Eisdielen wurden eröffnet. Sahne, Milch und Eis waren lange Mangelware gewesen und zeugten in der Nachkriegszeit als wiedergewonnener Wohlstand.

Besonders unter jungen Leuten galt es als schick, sich an der Milchbar zu treffen, da Alkohol erst ab 21 ausgeschenkt wurde.

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Milchpilze für alle

49 Milchpilze wurden damals nach Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien ausgeliefert. Die Pilze wurden fertig montiert geliefert, Einbaukühlschrank, Schlagsahnezapfhahn und Eismaschine inklusive. Überdauert haben leider nur wenige.

Der letzte „echte“ Milchpilz

Heute gibt es ingesamt noch 6 Milchpilze, 5 davon in Deutschland in Lindau, Wangen, Regensburg, Mardorf und Rosengarten und einer in Österreich, in Bregenz am Bodensee. Das Besondere am Milchpilz Bregenz: es ist der einzige, der noch seinem ursprünglichen Zweck dient, nämlich dem Verkauf von Milch und Milchprodukten.

„Stand er nicht mal da drüben?“

Ursprünglich wurde der Milchpilz Bregenz 1953 ungefähr 30 Meter weiter aufgestellt. Als 1995 der Ausbau der Stadtstrasse begann musste der Milchpilz weichen. 1996 wurden derweil die bekannten Milchpilz-Speisen wie Eiersemmel und Milchshakes in einem Verkaufswagen in den Seeanlagen verkauft. Der Milchpilz bezog 1997 seinen neuen Platz, auf dem er bis heute steht. 

Denkmalschutz für den Milchpilz

Seit 2007 steht der Milchpilz in Bregenz unter Denkmalschutz. Der vom aussterben bedrohte Pilzkiosk wurde dank der außergewöhnlichen aber nicht einheitlichen Form der Verkaufsstände als schützenwertes Baudenkmal erklärt.